Kfz-Sachverständigenkosten sind dem Unfallgeschädigten vom Schädiger zu ersetzen. Dabei sind als die erforderlichen Aufwendungen (§ 249 II 1 BGB) solche anzusehen, die ein verständiger, wirtschaftlich denkender Mensch in der Lage des Geschädigten für angemessen halten darf (BGH 15.10.2013 -  VI ZR 471/12). Daher ist Rücksicht zu nehmen auf alle individuellen Erkenntnis- und Einflussmöglichkeiten des Geschädigten (BGH 11.02.2014 - VI ZR 225/13). Er muss nicht den Markt erforschen und kann sich damit begnügen, den ihm in seiner Lage ohne Weiteres erreichbaren Sachverständigen zu beauftragen (BGH 22.07.2014 - VI ZR 357/13).

Kfz-Sachverständige, die ein Schadengutachten für Sie erstellen sollen, müssen in dem Gutachten den Wert des Kfz und den Reparaturaufwand (Reparaturkosten und Wertminderung) schätzen. Häufig unterlassen sie die Ermittlung der Werte (Wiederbeschaffungswert und Restwert), weil sie der Ansicht sind, der Wiederbeschaffungswert übersteige die Reparaturkosten um mehr als 70%. Dies Vorgehen ist fehlerhaft und kann dazu führen, dass der Sachverständige seinen Anspruch auf Vergütung für das fehlerhafte Gutachten verliert.

Denn der Bundesgerichtshof hat jetzt entschieden, dass diese 70%-Übung unmaßgeblich ist und trotz fehlender Angaben in dem Gutachten zum Wiederbeschaffungswert und zum Restwert nicht nach den fiktiven Reparaturkosten abzurechnen ist. Der BGH hat entschieden: Lässt der Geschädigte sein Kfz nicht reparieren, sondern realisiert er durch dessen Veräußerung den Restwert, so ist sein Schaden in dieser Höhe bereits ausgeglichen. Der BGH hatte deshalb den ganzen Schaden nach dem Wiederbeschaffungsaufwand abgerechnet (BGH vom 7.6.2005). Daher ist bei der Entscheidung, was der Geschädigte unternehmen will, in allen Fällen immer auch der Restwert von Bedeutung, so dass die fehlende Restwertangabe im Gutachten es fehlerhaft werden lässt.